Ich helf' mit - und du?

Ghazzal Novid (23)




Name: Ghazzal Novid
Alter: 23
Beruf: Student
Einsatzort: Kiel
Tafel: Kieler Tafel e.V.
 
1. Seit wann engagierst du dich bei der Tafel?
November 2013
 
2. Wie oft hilfst du bei der Tafel mit?
1 mal pro Woche
 
3. Engagierst du dich noch bei anderen Organisationen / Vereinen? Falls ja, welche?
Ich bin tätig in der studentischen Selbstverwaltung der Universität Kiel
 
4. Wie bist du auf die Tafeln und ihre Arbeit aufmerksam geworden?
Ich kannte die Tafeln bereits aus Funk und Fernsehen im Zuge meiner Beobachtungen zum Thema Armut in Deutschland. Als wir nach einer Veranstaltung in der Universität noch diverse Lebensmittel übrig hatten, habe ich durchgesetzt, dass diese der örtlichen Tafel zugeführt werden. Dadurch habe ich die Kieler Tafel kennengelernt und habe auf ihrer Internetseite gelesen, dass dringend Fahrer benötigt werden. So kam eins zum anderen.
 
5. Bitte beschreibe kurz deine Tätigkeiten bei der Tafel.
Ich fahre mit den Tafelfahrzeugen regelmäßig Einzelhändler in Kiel und Umgebung ab und sammle gemeinsam mit den anderen Helfern genießbare Lebensmittel ein. Oftmals fahre ich nach der Tour, zusammengelegte Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs zu den Ausgabestellen.
 
6. Warum engagierst du dich bei der Tafel?
Ich engagiere mich aus zweierlei Gründen. Der erste Grund ist, der enormen Lebensmittelverschwendung etwas entgegenzusetzen. Der zweite Grund hat etwas mit meiner Geschichte zu tun. Meine Eltern flohen vor 25 Jahren nach Deutschland. Im Zuge dessen haben wir hierzulande kein einfaches Leben bestritten. Ich bin krisenerfahren und ich weiß, was es heißt, am Rande der Gesellschaft zu leben, nicht dazu zu gehören. Und ich weiß, was Armut bedeutet. Ich habe in Deutschland dennoch die Chance bekommen, etwas aus meinem Leben zu machen, mir wurde Bildung zuteil. Ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben und ich stehe ein für ein humanistisches Weltbild ein, für eine zweite, dritte und vierte Chance für Menschen, die nicht viel Glück hatten im Leben. Aus dieser Motivation heraus vertrete ich den Grundsatz, dass jeder, der Essen braucht, es bekommen soll und jeder der die Möglichkeit hat, helfen soll. Die Idee der Tafeln darf nicht aussterben, auch wenn ich mir wünschte, dass es sowas wie die Tafeln nicht geben müsste. Zudem gibt mir die Arbeit bei der Tafel bei aller Frustration über die Armut, auch eine gewisse innere Zufriedenheit. Es tut gut, etwas so elementar sinnhaftes zu tun, wie bedürftigen Menschen das Essen zu bringen.
 
7. Warum sollten sich junge Menschen bei der Tafel engagieren?
Junge Menschen in Deutschland sollten sich bewusst machen, dass sie auf einer Art Insel der Glückseligen leben und dass sie hierdurch große Verantwortung für Menschen tragen, die dieses Glück nicht haben. Denn auch in Deutschland gibt es bittere Armut, auch in Deutschland hungern (wenn auch weniger als anderenorts auf dieser Welt) Menschen und auch in Deutschland wissen Familienväter und -mütter oft nicht, was sie ihren Kindern zum Mittagessen geben sollen, weil sie kein Geld haben, um Lebensmittel einzukaufen. Junge Menschen sollten sich bewusst machen, dass man nicht immer \"seines eigenen Glückes Schmied\" ist und die meisten Menschen in Notlagen nicht selbstverschuldet in diese geraten sind. Umso wichtiger ist es, dass wir empathisch sind und uns bei \"Baustellen\" in unserer Gesellschaft einbringen und mit anpacken. Die Tafelarbeit bedient eine solche Baustelle und es ist einfach, mit anzupacken. Zudem habe ich bei der Tafel neue Menschen kennengelernt, die ich lieb gewonnen habe. Denn eines vereint und alle: nämlich der Wille, Lebensmittel dorthin zu bringen, wo sie hingehören. Zu den Menschen, die sie brauchen.
 
Was du sonst noch sagen möchtest:
Lasst die vielen Helfer der Tafeln in Deutschland nicht allein und engagiert euch! Meldet euch bei eurer örtlichen Tafel!







Anja Geers

Angela Stellm...

Tristan Mante...